Dienstag, 13.08.2019: Glacier Point zu Fuss – auf dem 4 Mile Trail (Teil 1)

Der Wecker geht um 5:45 los, theoretisch, denn ich bin bereits wach. Ich ziehe meine Wandersachen an, noch ein warmes Hemd, denn am Morgen ist es ziemlich kalt. Kaffee muss sein, aber Hunger habe ich keinen um diese Uhrzeit, also werfe ich nur schnell die Kaffeemaschine an. Etwas mehr als 30 Minuten später, um 6:20 starte ich von der Lodge auf meine heutige Wanderung, mit 6 Flaschen Wasser und einigen Cliff Bars im Rucksack.

Es ist geplant, auf dem 4-mile-Trail (der jedoch tatsächlich 4,8 Meilen lang ist) hoch zum Glacier Point zu wandern und von dort über den Panorama Trail zurück ins Village. Der mit Trolleira abgesprochene Plan ist, dass ich frühestens um 14 Uhr zurück bin, erwartungsgemäß um 16 Uhr und wenn etwas schief läuft sollte es trotzdem nicht später als 18 Uhr sein. Wie immer bei solchen längeren Touren bin ich etwas angespannt, ich will so schnell wie möglich loskommen.

Am Vortag beim Check-In meinte der Rezeptionist in der Lodge, dass er bei seinen Morgenwanderungen auch öfter mal hier beim Village Bären sieht und ganz wohl ist mir nicht bei dem Gedanken. So laufe ich los, Augen und Ohren offen.

Ich schwenke ein auf den Fahrrad- und Wandertrail, der mich hinter dem Village zum Trailhead bringen soll. Ich sehe einen von Spechten völlig zerlöcherten Baum und gleich hinter dem Village ein Reh mit Kitz. Kein Bär.

Kurz hinter dem Village kommt die Brücke über den Merced River.

Und am Parkplatz gleich danach mehr Rehe, diese sind gar nicht scheu, lassen sich nicht einmal vom Hund anderer Spaziergänger aus der Ruhe bringen.

Ich erreiche die Strasse und den Shuttle Point

Nach etwa einer Meile gehen und 20 Minuten habe ich den Trailhead erreicht, an dem nur zwei Autos stehen.
Und ab nun sollte es richtig los gehen, bislang war es nur ein Spaziergang.

Von hier an geht es steil bergauf. Ich gehe davon aus, dass es inklusive der Strecke von der Lodge bis zum Trailhead etwa 10 km bis zum Glacier Point sein werden.

Blick auf die Yosemite Falls

Und ins Tal

Nach ungefähr 4 km hole ich ein Paar ein, denen wahrscheinlich eines der beiden Autos am Trailhead gehört, nach 5 km mache ich meine erste Pause. Ich ziehe mein Merino-Shirt aus, das bereits gut durchgeschwitzt ist, esse einen Clif Bar und trinke Wasser.

Weiter geht es und nach einem weiteren Kilometer erreiche ich die Abzweigung zum Union Point, von wo aus man den ersten Blick auf den Half Dome erhaschen kann.

Nach 1:50 Minuten erreiche ich den Union Point, 3 Meilen seit dem Trailhead + 1 Meile, die ich von der Lodge zum Trailhead lief.

Montag, 12.08.2019: Der schönste Viewpoint ever – zumindest für heute: Glacier Point

Zurück am Auto machen wir dann eine kleine Pause, einen Clif Bar, Wasser, Diet Coke. Bis ins Yosemite Valley haben wir wieder ein Stück Fahrt vor uns. Theoretisch ungefähr eine Stunde – aber wieder einmal zieht ein langsamer Trödler vor uns eine lange Autoschlange hinter sich her. Wir entscheiden uns spontan, hoch zum Glacier Point zu fahren.

Wie wir jetzt wissen eine gute Entscheidung, war doch im November 1996 hier die Straße gesperrt!
Der Fahrt nach oben ist wunderbar, und noch bevor wir zum Parkplatz kommen erhaschen wir den ersten spektakulären Blick auf den Half Dome!

Fast da …

Hmm

Amazing!

Schöner Blick auf Navada und Vernal Falls

Am Washburn Point, ein größerer Parkplatz unweit des Glacier Point mit identischem spektakulärem Blick auf den Half Dome machen wir Picknick.

Kann man sich einen schöneren Picknick Platz wünschen?
Jetzt aber wieder weiter, das VC schliesst um 17 Uhr!

Um 15:30 erreichen wir das Valley, parken und laufen zum Visitor Center. Boah, der Weg bis zum Visitor Center ist ja ewig hier (ca. eine halbe Meile vom Parkplatz zum VC). Ich hole mir noch alle nötigen Infos für meinen Hike morgen früh, Trolleira erkundigt sich nach einem Alternativprogramm.

Was könnten wir wohl tun?

Wir laufen wieder zurück zum Auto, halten kurz in der Ansel Adams Gallery, bewundern die ausgestellten Fotos und fahren schließlich zum Einchecken ins Hotel.

Hier haben wir einen Parkplatz in der Nähe des Hauses (Manzanita) und genießen nun, nach wiedermal totalem Ausräumen des Autos und Hochschleppen ins Zimmer, das sich als sehr geräumig herausstellt, als erstes Bier und Wein auf dem Balkon.

Essen wollten wir eigentlich im Restaurant aber wir warten ewig auf den Buzzer, um ins halbvolle Restaurant zu dürfen. Als wir nachfragen meint der Typ an der Rezeption relativ gelangweilt, dass der Buzzer wohl nicht funktioniert hätte. Die Speisekarte reißt uns auch nicht vom Hocker, außerdem stehen auf dem Tisch Schälchen halbeingetrockneter Dips, die uns auch den Appetit verderben und wir haben beide keine Lust, unser Geld in dem nicht gerade billigen Restaurant zu lassen (geschweige denn, Trinkgeld für den nervigen Typen am Einlass).

Also gehen wir in die Bar gegenüber, die Mountain Lounge. Hier gibt es Pulled Pork Burger, der ist so naja. Trolleira isst Chili con carne. Das IPA „Hazy Little Thing“ von der Sierra Nevada Brewing ist gut.

Hey, das erste Food Pic!

Die Nationalparkrestaurants haben uns bislang nicht überzeugt, weder im Sequoia/Kings Canyon, noch hier im Yosemite. Sie nutzen definitiv die fehlende Konkurrenz und die Tatsache, dass die meisten Gäste sowieso nur einmal im Leben hierher kommen.
Auch die Lodges selbst sind alt und sehr teuer. Das einzige Argument ist die Lage, die natürlich sehr exklusiv ist. Aber wem erzähle ich das? Wir wissen es alle und kommen doch zurück, weil die Lage der Lodges eben super ist.

 

Montag, 12.08.2019: Der Grizzly Giant – nur die Nummer 25, aber trotzdem ein hammermässig grosser Riesenmammutbaum!

Die Shuttle Bus Station – Mariposa Welcome Plaza – ist komplett neu und sieht großartig aus. Nach kurzer Toilettenpause erkundigen wir uns bei einer Rangerin über mögliche Wege und deren Schwierigkeitsgrad und wie lange sie dauern.

Die Entscheidung ist schnell getroffen, wir werden den Giant Grizzly Loop gehen, Trolleira dreht am California Tunnel Tree um und läuft denselben Weg zurück, ich gehe den Loop komplett, auch den steilen Teil.

So machen wir es. Hier ist es richtig voll, aber trotzdem gut organisiert und schön. Irgendwie ist mehr los als vor 23 Jahren.
Die Grove Arrival Area, von hier aus gehen die Shuttles wieder zurück und von hier starten die Trails.

Schon wieder ein Fallen Monarch, den hatten wir doch schon im Kings Canyon?

Wieder diese fluffig weiche Rinde der Sequoias!

Leicht verkohlt, aber den Sequoias kann Feuer nicht viel anhaben!

Und hier, der Junggeselle (also, der Sequoia ganz links) und die drei Grazien!

Und hier ist er, der Grizzly Giant! Besser besucht als vor 23 Jahren ist er allemal. Mit 63,7 Metern Höhe und 963 m³ Volumen schafft er es nur noch auf Platz 25 der Die-Grössten-Bäume-der-Welt Hitliste, aber ich mag ihn, den Grizzly!

Noch ein paar Meter und wir sind am California Tunnel Tree! Wir stehen Schlange, um hier ein paar Fotos zu machen. Wenn die Leute dran sind, dann werden nicht ein oder zwei Fotos gemacht, nein, dann werden Minuten lang alle Instaposen geübt. Naja, vielleicht auch kein Insta, es waren eher Familien. Wir machen unsere 2-3 Fotos und düsen weiter.

Nun trennen wir uns, ich laufe den Grizzly Loop weiter und Trolleira dreht wieder um. Ich weiß nicht, ob sich das umdrehen für sie wirklich gelohnt hat, das etwas steilere Stück auf meinem Weg war recht kurz und mein Weg war gefühlt vielleicht 300 Meter länger, also nicht entscheidend viel. Aber viel hat sie nicht verpasst, das erste Teilstück mit dem Grizzly Giant, dem Bachelor & Three Graces bis hin zum Tunnel Log war sowieso das schönere Stück des Trails.

Das sollte nun aber auch genug sein mit Sequoias, jetzt wollen wir ins Yosemite Valley!