Moglu reist: Zwischen den Jahren in Mexiko! Tag 9: Playa del Carmen – Cancun – São Paulo

Der Wecker läutete um 6 Uhr, unser Flug ging um 11 Uhr los, dazu noch die Fahrt nach Cancun, Tanken, Auto abgeben und Transfer zum Flughafen. Wie immer hatte wir viel zu viel Puffer eingeplant, um halb sieben verließen wir das Hotel, die Straßen waren leer, die Autorückgabe war problemlos und um 8 Uhr standen wir schon am Schalter bei Copa Airlines.

Kaum Leute da, da geht die Gepäckabgabe schnell.

Schöne Plätze haben wir auch, nur der Pilot sitzt vor uns:

Nach Pass und Security kann man sich noch mit allen möglichen Andenken eindecken, die man zuvor vergessen hat zu kaufen.

Und das Restaurantangebot ist wieder sehr nordamerikanisch!

So los geht es, ein letzter Blick zurück auf Cancun:

Und Zwischenlandung bei schlechtem Wetter in Panama:

Das Neue Jahr feierten wir in 10.000 Metern Höhe zwischen Amazonas und Brasilia, das hatten wir so auch noch nicht gemacht. Um 1:30 am 1. Januar landeten wir problemlos in São Paulo, einige wenige Feuerwerke begleiteten noch unsere Landung. Nun noch eine Stunde im Auto und dann Feierabend – schön war’s, adios Mexiko!

Moglu reist: Zwischen den Jahren in Mexiko! Tag 8: Playa del Carmen – die Quinta Avenida

Jetzt wird es Zeit, dass wir mit Mexiko fertig werden, Texas steht ja schon vor der Tür!

Heute steht uns der längste Fahrtag bevor, von Uxmal nach Playa del Carmen. Wir hatten ursprünglich überlegt eventuell Uxmal – Tulum – Playa del Carmen zu fahren, um uns die Ausgrabung von Tulum anzusehen, aber auch ohne diesen Umweg ist die Fahrt lange genug und wir haben ja in den letzten Tagen wahrlich genügend Ruinen angeschaut. Lieber an unserem letzten Tag etwas mehr Zeit am Strand in Playa del Carmen verbringen.

Kaffee gibt es wieder im Zimmer, für die ersten Stunden bis zum Frühstück gibt es noch Doritos und Kekse und so legen wir um 7:30 los.

Gute 365 km, 4:30 Stunden Fahrzeit und eine Stunde Zeitverschiebung später erreichen wir gegen 13 Uhr das Hotel 52 in Playa del Carmen. Das Zimmer ist noch nicht fertig aber das Hotel hat eine Dachterrasse mit Pool, Café und Wi-fi. Dort verbringen wir die nächste Stunde, surfen, emailen, facebooken, checken den Rückflug ein und klären die Rückgabe des Mietwagens am nächsten Morgen ab.

Als wir wieder nach unten fahren ist auch unser Zimmer fertig und wir checken ein.

Strandklamotten an, Fotoapparat, Sonnencreme eingepackt und los geht es. Das Hotel 52 hat eine Gemeinschaft mit dem Encanto Beach Club, einer Strandbar mit Liegestühlen und Service und dort machen wir unseren ersten Halt. Die Liegestühle sind alle belegt, aber wir finden ein paar bequeme Stühle im Schatten und bestellen erstmal zwei Bier. Gut, dass wir die Stühle im Beach Club haben, denn der Strand ist nur etwa 2 Meter breit und absolut voll! Naja klar, morgen ist Silvester, und wer kann ist am Strand.

 

 

Die beiden Biere später reicht es uns eigentlich auch erstmal von der Technomusik, die seit einer Stunde im Club dudelt und wir machen uns auf in die Quinta Avenida, da soll ja was los sein.

Wir kommen ja von recht weit nördlich in die Avenida und sind positiv überrascht, viele kleine Lädchen und nette Lokale und Kneipen. Wenige hundert Meter später hat sich diese „nette“ Avenida jedoch bereits in eine Touristenhölle verwandelt!

Wir fühlen uns wie in Las Vegas, die Straße ist voll mit Läden, die überwiegend Kitsch verkaufen, jeder einzelne Laden oder Bar/Restaurant für sich eigentlich ganz nett, aber die Masse wirkt total erdrückend auf uns. Wir erreichen das Restaurant „La casa del Agua“ über das meine Frau sehr gute Kommentare gelesen hat und so beschließen wir, obwohl es erst 17 Uhr ist, dort essen zu gehen. Wir hatten ja auch nur ein Sandwich an der Poolbar des Hotels bislang – und die Doritos im Auto. Das Restaurant ist nicht billig aber super lecker – dafür, was geboten wird ist es nicht zu teuer, und wir genehmigten uns ein richtig schönes Abschiedsessen für unsere tolle Mexikowoche!

 

Weiter ging es, unser Bummel durch die Quinta.

Zum Ende des Tages unser letzter Stopp: Walmart – Einkaufen! Ja, wir füllten noch unsere Einkaufstaschen mit Tequila, Tortillas und Frijoles refritos auf. Die nächste Mexikoparty ist gesichert! Nun aber mit dem Taxi zurück zum Hotel.

Moglu reist: Zwischen den Jahren in Mexiko! Tag 7: Uxmal

Der Kaffee gluckerte durch die Kaffeemaschine in unserem Zimmer. Wir nutzten die Zeit, die uns blieb, um noch etwas länger zu schlafen, bevor wir um 8 Uhr vor der Kasse in Uxmal standen. Frühstück wird sowieso überbewertet, war in unserer Übernachtung nicht enthalten und wir wollten uns dann lieber später irgendwo was zum Essen suchen. Also gab es nur einen Kaffee, dann zu Fuß vom Hotel Hacienda Uxmal über die Straße und keine 5 Minuten später standen wir an der Kasse für die Eintrittskarten.

Eintrittskarten für archäologische Sites sind in Mexiko etwas kompliziert. Man braucht immer zwei Tickets, eine für INAH – für die Erhaltung der Stätten (70 Pesos), das zweite als Gebühr für Yucatan (so um die 160 Pesos für Ausländer). Außerdem zahlen Ausländer immer mehr als Mexikaner. Ist aber schon ok so, etwas mehr als 10 Euro pro Person sind auf alle Fälle gerechtfertigt, denke ich.

Betritt man vom Eingangsbereich die Ausgrabungsstätte so steht man als erstes direkt vor der imposanten Pyramide des Magiers.

Für mich die schönste Pyramide von Yucatan, ja die schönste Pyramide der Welt (Cheops sehe es mir nach). Die Kombination der gerade ausgerichteten Treppenstufen mit den abgerundeten Ecken (gibt es runde Ecken?) der Pyramide bilden eine quasi perfekte Harmonie. Leider kann man auch diese Pyramide nicht mehr hochklettern, ich erinnere mich noch schwach wie das war, vor 27 Jahren, vor allem das wieder runter klettern auf allen Vieren.

Wir lassen nach einigen schnellen Fotos die Pyramide des Magiers rechts liegen und gehen nach links in die am weitesten entfernten Bauten.

Dort sind wir zunächst fast alleine, dort kann man überall hinaufsteigen und tolle Fotos schießen. Und von dort erkunden wir Bauwerk nach Bauwerk auf dem Weg zurück zur Pyramide, kreuzen in der Mitte die Touristen die „vorne“ angefangen haben und haben den größten Teil der Zeit Uxmal fast für uns alleine. Auch hier sind wir nach 2-3 Stunden „durch“.

Da wir noch eine zweite Übernachtung im Hotel Hacienda gebucht haben, holen wir nur das Auto und machen uns auf den Weg zur Ruta PUUC.

Die Ruta PUUC ist eine Tour entlang mehrerer archäologischer Ausgrabungsplätze, die alle in der einzigen hügeligen Region in Yucatan erbaut wurden. PUUC heißt in der Mayasprache Hügel. Uxmal ist die größte von allen, aber auch die kleineren sind hoch interessant.  Unser erster Stopp ist in Kabah. Obwohl deutlich weniger besucht und weniger gut erhalten als Uxmal gefällt uns Kabah hervorragend.

Weiter geht es:

… von Kabah in Richtung Sayil. Als wir von der 261 abbiegen landen wir in einer Baustelle, die komplette Straße wird neu geteert und wir fahren gute 3 km über frisch gepresste aber staubige Sandstraße.

Aber schließlich kommen wir an.

Sayil ist halb im Dschungel verborgen, am besten restauriert ist der leider nicht begehbare „Große Palast“ relativ nahe beim Eingang. Es folgen weitere kleinere Gebäude (El Mirador) und dann ein 700 Meter weiter Weg zum Südpalast – den darf ich dann alleine gehen, meine Frau hat genug Ruinen gesehen. Der Südpalast ist nun wirklich sehr abenteuerlich und fast völlig vom Dschungel überwuchert.

Nun, nach der Besichtigung von Sayil, macht sich der Hunger doch verstärkt bemerkbar. Es ist nach 14 Uhr und außer einem Müsliriegel hatten wir noch nichts gegessen. In den nächsten Ruinen wird es wohl nichts zu essen geben, aber der Mitarbeiter im Kassenhäuschen erklärt uns, dass es bei den Loltun Grotten ein Restaurant gibt.

Wir entscheiden, die beiden verbleibenden Ruinen auf dem Rückweg zu machen, den nächsten Stopp beim Restaurant einzulegen und dann die Höhlen zu besichtigen. So fahren wir also an Labna und Xlapak vorbei und stoppen erst an einer weiteren Nebenstraße, um in einem Kiosk Chips, Doritos und Cola zu kaufen und kurz darauf als wir ein Restaurant finden. Wir sind die einzigen Nichtmexikaner dort, der Wirt will uns gleich mit Englisch weiterhelfen aber wir kämpfen uns ganz gut mit unserem Portugiesisch-Spanisch Kauderwelsch durch. Und das Essen ist superlecker, Nachos und Quesadillos, dazu leider nur Cola, ich würde es zu gerne den Mexikanern gleichtun und mich über eine 1,2 Liter Flasche Dos Equis hermachen. Aber ich muss ja noch fahren.

Wir erreichen die Höhlen von Loltun um 14:45, die nächste Führung ist um 15 Uhr. Die Höhlen sind sehenswert, Tropfsteinhöhlen halt. Wunderschön ist der Höhlenausgang, der im Prinzip entlang eines kreisrunden Lochs, vom Sonnenschein erhellt nach oben führt.

So, nun ist es 16:30, Labna und Xlapak schließen um 17:00 Uhr, um 18 Uhr ist es dunkel und wir haben noch eine gute Stunde Fahrzeit vor uns. Also heben wir uns Labna und Xlapak für einen nächsten Besuch irgendwann in Mexiko auf.

Als Abendessen gibt es im Hotel nur noch eine Guacamole, eine Margarita und ein Dos Equis.

Buenas noches!

Moglu reist: Zwischen den Jahren in Mexiko! Tag 6: Ruta de los conventos – Die Klostertour

Für heute stand die Fahrt nach Uxmal auf dem Programm. Von Merida direkt nach Uxmal dauert es ja gerade mal etwas mehr als eine Stunde, also können wir ruhig auch mal einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Und was kann man sich rund um Merida ansehen, wenn man nicht immer alte Pyramiden sehen will? Klar, alte Klöster. So machen wir uns auf den Weg, auf die Ruta de los Conventos. Der erste Halt ist bereits nach einer halben Stunde über die hervorragend ausgebaute und scheinbar eben erst neu geteerte Autobahn 184 in Acanceh.

Acanceh besitzt neben der alten Kirche „Nuestra Senora de Natividad“ – wer hätte es gedacht – eine alte Pyramide direkt neben der Kirche. Und neben Pyramide und Kirche gibt es noch einen umtriebigen Wochenmarkt in einer Markthalle. Wir schlendern durch den Markt, begutachten die Essens- und sonstigen Verkaufsstände und machen unsere Erinnerungsfotos.

Weiter geht es nach Tecoh. In unserem Navi scheint die ausgebaute 184 noch nicht so ganz bekannt zu sein, aber der Weg ist trotzdem nicht zu verfehlen.

In Tecoh halten wir direkt auf dem Marktplatz und der erste Weg führt uns wieder in die Markthalle. Ähnliche Halle, ähnliches Angebot. Viel Fleisch ohne irgendeine Kühlung und viel Obst und Gemüse.

Die Kirche aus dem 17. Jahrhundert steht auf einem kleinen Hügel gleich neben dem Marktplatz und dem danebenliegenden Fußballplatz. Alle diese alten Kirchen gefallen mir sehr aufgrund ihrer Schlichtheit, kein Pomp, wie wir es aus unseren barocken Kirchen kennen sondern viel Holz, das hier verarbeitet wurde. Diese hier wurde wieder AUF einer ehemaligen Pyramide errichtet, nicht daneben, wie zum Beispiel in Acanceh. Was mit besonders gefällt ist der Glockenturm, bei dem an langen Seilen, die seitlich entlang des Turmes nach unten hängen, die Glocken geläutet werden können. Ausprobiert habe ich es nicht, gereizt hätte es mich schon.

Der im Internet besonders herausgehobene Höhepunkt dieser Kirche ist das restaurierte Barock Retablo, also der Altar mit Malereien des Zapoteken Miguel Cabrera, dem damals wohl besten Malers Mexikos. Ja, stimmt, schön war der schon irgendwie. Das hätte ich mir dann wohl mal vorher genauer durchlesen sollen, um es richtig Wert schätzen zu können.

Nun gut, für uns ging es weiter nach Mayapan, endlich wieder so richtige Pyramiden – und was für Pyramiden. In hervorragendem Zustand, quasi ohne Touristen und ohne Einschränkungen besteigbar! Die Anlage in Mayapan war ein ähnliches Highlight wie Ek Balam, meine absolute Empfehlung! Von der oberen Plattform der Pyramiden hat man einen wunderschönen Ausblick über die gesamte Anlage Mayapan sowie über den endlos scheinenden Urwald von Yucatan.

Moglu erwischt!

Der nächste Halt unserer Kirchen und Pyramidentour war Tekit. Es war mittlerweile nach Mittag und es scheint, dass die Kirchen in Yucatan mittags schließen, denn sowohl in Tekit (San Antonio de Padua) als auch danach in Mama blieb uns der Zugang zu den Kirchen verwehrt.

Wir beschlossen also die noch auf der Route liegenden Kirchen zu ignorieren und stattdessen eine kleine Tortillabude zu suchen, denn der Magen knurrte allmählich gewaltig. Somit kürzten wir den Weg ab und fanden durch Zufall die herrliche (zumindest von außen) Kirche in Chapab.

Tikul:

Leider gab es jedoch weder in Chapab noch in der etwas größeren Stadt Ticul ein Angebot das uns zusagte, eigentlich gab es gar kein Angebot, so fuhren wir weiter bis nach Uxmal, wo wir uns im Hotel Hacienda Uxmal einquartierten.

Ab in die Badeklamotten und an der Poolbar ein kühles Dos Equis sowie leckere Quesadillos und Guacamole. Herrlich.

Um morgen Uxmal zu besichtigen,müssen wir nur einmal über die Strasse marschieren!

Moglu reist: Zwischen den Jahren in Mexiko! Tag 5: Spaziergang durch Merida

Nach dem kleinen und etwas spartanischen Frühstück im Restaurant des Hotel Merida machten wir uns los auf unsere Tour. Wir wollen Merida zu Fuß kennenlernen, üblicherweise die beste Möglichkeit eine Stadt zu erobern. Und wo fangen wir an? Bei den Markthallen.

Die Markhallen des „Mercado Lucas de Galvez“ befinden sich nur wenige Minuten Fußmarsch vom Hauptplatz entfernt.

Die Orientierung in Merida ist relativ einfach. Die Stadt wird von einem Gitternetz an Straßen durchzogen, wobei die geraden Straßennummern von Norden nach Süden (bzw. umgekehrt) verlaufen und die ungeraden von Ost nach West (bzw. umgekehrt). Bei Nord-Süd Straße bzw. Ost-West Straße ist immer eine Straße eine Einbahnstraße in eine Richtung, die nächste ist eine Einbahnstraße in die andere Richtung. Hört sich kompliziert an, ist aber sehr einfach und schnell zu verstehen.

Die Plaza Grande (Zocalo) liegt an der Calle 63 mit Calle 60 und der Mercado liegt an der Ecke Calle 67 mit Calle 56, also vom Zocalo aus 2 Straßen nach Osten und 2 Straßen nach Süden. Wahrscheinlich gibt es in diesem Markt alles, was man irgendwann in seinem Leben brauchen könnte und uns haben vor allem Fisch, Fleisch, das Gemüse und die Gewürze und Chilis fasziniert. Und die Tortillamaschinendisco. Ja, an einem Eck im Mercado fanden wir die vollautomatisierte Tortillaproduktion! Vollautomatisiert, bei der oben der frisch angefertigte Teig eingefüllt wurde und die Maschine nach rühren kneten, formen und walzen unten die fertigen Tortillas ausgespuckt hat. Das ganze bei ohrenbetäubenden Diskolärm inklusive bunten Lichteffekten! Ich war begeistert, durfte aber trotzdem keine derartige Maschine erwerben. Was soll man sonst noch zum Markt sagen, nach diesem Highlight wirkt alles andere banal, wir haben uns aber noch durch fast alle Hallen gearbeitet.

In den Markthallen

Es gibt Schuhe:

Gewürze

Und die Tortillamaschine

Auch frische Chilies gibt es jede Menge

Vom Markt aus spazierten wir weiter zu Wayan’e. Wayan’e liegt etwas abseits des Zentrums, ist aber DER Tacoladen Meridas. Im Internet gehypt und offensichtlich Anlaufplatz vieler ausländischer Besucher (aber auch Mexikaner) gibt es bei Wayan’e eine Vielzahl von Tacos und Tortillas. Der Laden ist soweit abgelegen und wäre sicher ohne die Propaganda in vielen Online Seiten nur halb so voll. Aber sehr lecker war es, zugegebenermaßen.

Das wayan’e von aussen

Der gemütliche Innenhof:

Und die Tortillas:

Nach diesem zweiten Frühstück durchquerten wir das Zentrum ein weiteres Mal, zum „Casa de las Artesanias“, um dort Andenken einzukaufen – am besten sollte es künstlerisch wertvoll sein und authentischer als in den tausenden Läden, in denen Touristenramsch verkauft wird. Wir fanden ein Tortilleiro, ein Tortillakörchen, ein sehr schönes Tortillakörbchen, das muss ich zugeben (ich hätte doch die Tortillamaschine kaufen sollen).

Beim Überqueren des Hauptplatzes war der Merida Schild natürlich wieder belegt. Also ein digitaler Trick: Wir fotografieren das Schild einfach von hinten und spiegeln es am Computer 😉

Passt doch:

Die Nähe zum Hotel nutzten wir zu einer gepflegten Siesta, bevor es am frühen Nachmittag wieder losging, nun ein Spaziergang entlang des Passeo de Montejo. Irgendwo wurde der Passeo de Montejo mit den Champs Elysees verglichen. Ja, er ist ganz nett, der Passeo, aber sorry, falls es sich um DIE Champs Elysees in Paris handeln sollte bei dem Vergleich, dann ist bei diesem Vergleich schon ein klein wenig Grössenwahn im Spiel. Aber egal, es war ein netter Spaziergang und wir bekamen sogar in einem französischen Café einen Frappucchino! Also doch ein klein wenig Champs …

Den Rückweg traten wir dann mit dem Bus an. Wieder ein Punkt abgehakt – Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss man im Ausland gemacht haben, kostete 8 Pesos pro Person und es war alleine schon unseren Füssen zuliebe das Geld wert.

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir entspannt mit Corona im Café Peon Contreras beim Passanten beobachten. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen im Urlaub.

Am Abend war La Chaya Maya angesagt, DAS bekannteste und traditionellste Lokal in Merida für Mayaküche. Das Lokal fiel uns bereits am Vortag durch die enorme Schlange am Eingang auf, natürlich habe ich sofort gegoogelt und herausgefunden, dass ich dorthin muss, sonst hätte ich Merida nicht erlebt.

Fazit: Mayaessen wird es nicht in meine Top 10 der Lieblingsessen schaffen. Wir bestellten – natürlich nach gut einer halben Stunde anstellen + 10 Extraminuten, weil ich mich anfangs nicht in die Liste am Eingang eingetragen hatte – ein „Best 4 of Mayaküche“, oder sowas, also ein Potpourri aus 4 Gerichten, deren Namen ich beim besten Willen nicht mehr weiß. Ein Gericht war das bekannte Schweinefleisch „Pibil“, gekochtes und zerrupftes Schweinefleisch mit viel Soße – das mit Abstand beste Gericht der 4 Speisen. Das zweite Gericht war Truthahn, ebenfalls gekocht und zerrupft mit einer anderen Soße, das Gericht war schon bedeutend langweiliger. Das dritte Gericht war wieder Truthahn in einer Soße mit Bohnen und Eiern. Ich liebe ja die mexikanischen Bohnen, aber in diesem Gericht waren diese nicht so vorteilhaft zubereitet. Und schließlich das vierte Gericht, irgendwas mit „Queso rallado“, ein Gericht mit Fleisch und Goudakäse in einer glibberigen Soße. Sehr bedenklich, vor allem frage ich mich, woher die alten Mayas den Goudakäse kannten. Aber wahrscheinlich ist das ein klassisches Gericht der modernen Mayas. Hatte ich schon erwähnt, dass Mayaküche nicht in meine Favoritenliste eintreten wird?

 

Steinbocktour 03.09. – 08.09.2017 (Tag 5+6)

Bockkarscharte und Schwarze Milz (Tag 5)

„Mann ist das kalt hier! Geh noch ein Stück weiter, da vorne zieht es hoffentlich weniger!“ Wir stehen unterhalb der Bockkarscharte, auf fast 2.500 Metern. In langen Serpentinen führt der Weg vom Waltenberger Haus hier nach oben, immer quer über weite Geröllfelder. Unterhalb der Scharte kommt unsere Truppe jedoch ins Stocken, die Serpentinen werden zu einem mit Stahlseilen und Tritthilfen gesichertem (leichten) Kletterweg.

Meine Wanderkleidung, die ich am Morgen noch ziemlich nass vom Vortag wieder angezogen hatte, ist immer noch klamm und ich ziehe die Fleeceweste außen über meine Jacke. Nun ist auch endlich der Zeitpunkt für meine neuen Handschuhe gekommen! Meine feuchten Halbfingerhandschuhe wandern in den Rucksack und ich streife mir die trockenen, warmen Ganzfingerhandschuhe über. Dann sind wir oben an der Scharte und es geht plötzlich doch schnell, dass wir auf der anderen Seite an einer windgeschützten Stelle Halt machen. Von hier hätte man eigentlich einen herrlichen Ausblick ins Lechtalgebirge, wir aber sehen überwiegend nichts. Zu dicht sind die Wolken und der Nebel.

Weiter geht es ein Stück auf dem Heilbronner Weg bis wir die schwarze Milz, den letzten Rest der Alpengletscher erreichen. Auch hier ist die Sicht trübe als wir den Ferner überqueren.

Die karge Gebirgslandschaft beginnt nun, sich schlagartig zu ändern, die Felslandschaft wird von Wiesen abgelöst und wir sehen wieder einige Steinböcke, die uns vom Grat aus beobachten.

Auf einer tiefer liegenden Wiese sind einige Geißen und Jungtiere beim Grasen. Der Weg geht nun flacher und einfacher dahin. Stetig bergab geht es in Richtung Kemptner Hütte, die wir gegen 13 Uhr erreichen.

Wieder haben wir Glück mit den Zimmern in der Kemptner Hütte. Diesmal teilen wir uns ein 4-Bett Zimmer mit zwei Stockbetten. Die Kemptner Hütte wird unsere letzte Übernachtung in den Bergen sein, gut dass es nicht nochmal ein Matratzenlager ist.

Ofenschlupfer mit Rosinen und Vanillesoße gibt es zum Kaffee. Die Mehlspeise, aus alten Brötchen mit Äpfeln, Milch, Zucker und Zimt kennen wir bei uns als Scheiterhaufen, sie schmeckt aber auch als Ofenschlupfer hervorragend. Gerhard frägt uns wer noch mitlaufen will zum Muttlerkopf, der mit 2.368 Metern Höhe direkt vor der Kemptner Hütte gut 500 Meter in den Himmel ragt. Die Beine sind schwer, ich mag das Bergablaufen nicht, und heute sind wir seit dem Aufstieg zur Bockkarscharte nur noch bergabgelaufen.  Also täte meinen Beinen den Berg hochzulaufen wohl ganz gut. Außerdem habe ich keine Lust, den ganzen Nachmittag auf der Hütte zu sitzen und außerdem ist heute der vorletzte Tag und – „ich gehe mit!“.

Knapp 90 Minuten brauchen wir für den Aufstieg, es ist ein Hammergefühl, wenn man auf dem Muttlerkopf steht und das umliegende Panorama sieht. Dieser Aufstieg war für mich mit Sicherheit einer der Höhepunkte der gesamten Wanderung!

Der Rinderbraten der Kemptner Hütte ist unter Wanderern berühmt und den haben wir uns heute wirklich redlich verdient, ebenso wie das Bier dazu. Und den Enzian. Bayerisch Creme gibt es als Nachspeise. Ich bin müde, die Beine sind schwer, aber es ist ein gutes Gefühl, ein sehr gutes!

 

Time to say good-bye (Tag 6)

Mann sind meine Beine schwer heute Morgen. Mein Standardrezept gegen schwere Beine ist es, einen Berg zu besteigen, aber es gibt keinen mehr auf unserer Tour. Im Gegenteil: Heute stehen nochmal 850 Meter Abstieg bevor, den meine Knie so gar nicht lieben.

Um halb sieben ist die Truppe komplett am Frühstücktisch versammelt und bereits um viertel vor acht stehen wir mit Rucksack auf den Schultern und fest geschnürten Wanderstiefeln vor der Hütte. Es scheint, wir können es nicht erwarten wieder ins Tal zu kommen, aber tatsächlich waren wir wohl nur eine sehr überpünktliche Truppe, die meist schon lange vor der vereinbarten Uhrzeit abmarschbereit war.

Ein letztes Mal werden unsere Schuhe im Sperrbachtobel bei der Durchquerung eines Bachlaufes nass, am sechsten Tag unserer Tour stört das jedoch niemanden mehr.

Gerhard nutzt eine Trinkpause beim Marterl „am Knie“ – einer kleinen Kapelle – und versucht die OASE „Basis“ auf dem Handy zu erreichen, um den Rücktransport zu organisieren.

Es geht dem Sperrbach entlang durch den Wald und wir überqueren ein letztes Mal den Fluss. Wir kommen zur Materialseilbahn. Hier kann man seine Rucksäcke hoch zur Kemptner Hütte bringen lassen, wenn man in Gegenrichtung unterwegs ist. Ab jetzt geht es flach weiter, auf einer asphaltierten Straße bis Spielmannsau.

In der Alpe Oberau genießen wir ein letztes Mal Käse und Schinkenbrote. Hier studieren wir den Busfahrplan von Spielmannsau nach Oberstdorf und stellen fest, dass wir knappe 45 Minuten für unsere Pause haben. Die Wanderung nähert sich nun immer offensichtlicher ihrem Ende.

Der Linienbus bringt uns wieder zurück zum Bahnhof von Oberstdorf, wo wir im OASE Büro als erstes unsere Rucksäcke ablegen.

Die ausgeliehenen Schuhspikes und Wanderschirme müssen wieder abgegeben werden und wir verabschieden uns, sicher ein wenig wehmütig, dass diese 6 Tage viel zu schnell vorbeigingen aber auch stolz auf unsere Wanderleistung.

 

THE END

Steinbocktour 03.09. – 08.09.2017 (Tag 4)

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung … (Tag 4)

„Wir haben Linsensuppe mit Würsten, Käsebrot mit selbstgemachtem Käse und was sonst noch auf der Karte steht“ erklärt uns die Sennerin auf der Buchrain Alpe. Die Alpe ist für uns die Rettung aus dem Regen, eine kleine, urige aber auch trockene Rastmöglichkeit. Im Wirtsraum stehen nur zwei Tische, aber  das reicht locker für unsere Gruppe. Der Käse ist hier selbst gemacht, in der Wohnküche stehen Milchfass, Kupferkessel und moderne Spülmaschine sowie Thermomix.

Wir kommen von der Rappenseehütte (2.091 Meter) und sind nun bei strömendem Regen gut 1.000 Höhenmeter in das Rappenalptal abgestiegen. Bereits auf den ersten Metern des Abstieges spürte ich ein Reiben an meinem Zeh, ein unangenehmes Reiben. Bei der nächsten Möglichkeit, der Enzianhütte, wollte ich den Zeh mit Pflaster umwickeln um eine Blase zu vermeiden, es war aber schon viel zu spät. Die Blase gab es schon gar nicht mehr, der Zeh war offen. Hilft aber nichts, wir haben noch mindestens 5-6 Stunden Wanderung vor uns. Also den Zeh mit Blasenpflaster zugeklebt, dick und fest mit Leukoplast umwickelt und an was anderes denken! (Den Zeh habe ich übrigens erst wieder 3 Tage später nach Ende der Tour ausgewickelt und er sah gut aus, das Blasenpflaster hat ganze Arbeit geleistet).

Auf der Buchrainalpe ist es kuschelig warm und das Objektiv meiner Kamera beschlägt.  Die Jacken hängen auf Bügeln an einer Stange im Eingangsbereich der Hütte. Alle versuchen wir, soweit möglich, die nasse Kleidung zu trocknen. Letzteres ist ein vergeblicher Versuch, wir sind alle bis auf die Haut tropfnass. Ich stärke mich mit der Linsensuppe und Wursteinlage für den bevorstehenden Aufstieg.

Wir schauen aus dem kleinen Fenster der Stube und suchen nach der erwarteten Wetterbesserung. Nach der Rast und Einkehr stehen uns wieder rund 1.000 Höhenmeter Aufstieg bevor zum Waltenberger Haus. Es hilft nichts, es sieht nicht danach aus, als könnten wir den Regen aussitzen. Kurz darauf bei Einödsbach treffen wir zwei Amerikanerinnen wieder. Sie sind mittlerweile schon so etwas wie alte Bekannte, die man aber trotzdem eigentlich nur vom Sehen und ein paar gewechselten Worten auf dem Gang oder in der Dusche her kennt. Abends auf den Hütten trifft man immer wieder dieselben Leute, scheinbar sind viele auf unserer oder einer sehr ähnlichen Tour unterwegs und nach 3-4 Tagen kommen einem viele Gesichter bekannt vor.

Wieder stoppt ein Bach, der zum reißenden Hindernis angeschwollen ist unseren Marsch. Wieder werden die Füße nass.

Auch der Wanderweg selbst ist mittlerweile ein kleiner Bach geworden, es kümmert mich nicht mehr, ob ich ins Wasser steige oder auf Steinen dem Gerinnsel ausweichen kann. Das Wandern wird zum Mantra, der gleichbleibende Rhythmus, Schritt für Schritt weiter. Hindernisse wie Bäche, die wir überqueren müssen stören den Rhythmus. Kurz halten wir an um zu trinken, aber beim Stehen wird es kalt, und die Kälte stört mehr als die tropfnasse Kleidung, also marschiere ich und ein Wanderkollege weiter. Monoton, Schritt für Schritt, bald schon ist der Rest der Gruppe außer Sichtweite. Am Ende des Bacherlochs ist eine steile und schroffe Steilstufe zu durchqueren.  Alubrücken und Stahlseile sichern dort den Weg. Nach etwa drei Stunden Aufstieg sehe ich im Nebel unterhalb der Mädelegabel das Waltenberger Haus! Aber noch davor ein letzter Gebirgsbach zu durchqueren. Gemeinsam suchen wir den besten Weg und bald haben wir zu zweit auch das Hindernis geschafft. Während wir uns noch freuen, diesen nun wirklich breiten Bach halbwegs trocken hinter uns gelassen zu haben, sprintet ein „Gebirgsjogger“ mit zwei, drei Sprüngen über den Bach und joggt gutgelaunt, aber ohne Rucksack, an uns vorbei. Sachen gibt’s?!

Das Waltenberger Haus ist neu und erst seit Juni 2017 (wieder) eröffnet. Es ersetzt das bereits 1875 an derselben Stelle erbaute ursprüngliche Waltenberger Haus.  Es sieht toll aus, modern und an einigen Stellen sind die Zimmerleute noch immer am Werk.

Die Zimmer sind klasse, die besten bislang und wir bleiben in einem nagelneuen 6-Mann Zimmer mit 3 Stockbetten. Unsere nasse Kleidung lassen wir im Trockenraum, der jedoch den Namen leider nicht verdient hat. Es ist kalt und klamm im Trockenraum und unsere Kleidung wird am nächsten Morgen so tropfnass sein, wie wir sie am Abend zuvor dort aufgehängt hatten.

Es steht uns eine ganze Liste an Gerichten für das Abendessen zur Auswahl. Unter anderem Dal, das nepalesische Hausgericht, das der nepalesische Koch der Hütte zubereitet. Ich habe Hunger und Bedarf an Kohlehydraten und entscheide mich für Spaghetti Bolognese, bedaure aber später, nicht das vorzügliche Dal gewählt zu haben, von dem ich bei anderen probiere. Die Spaghetti waren lecker, aber das Dal superlecker!

Heute sitzen wir lange zusammen, quatschen und probieren Enzian und auch Sigi, den Hüttenobstler. Die Stimmung ist gut aber die müden Beine wollen ihre Ruhe! Licht aus!

Steinbocktour 03.09. – 08.09.2017 (Tag 3)

Zwischen Bayern und Tirol (Tag 3)

Meine Schuhe sind tropfnass und von einer Schlammschicht überzogen als wir das erste Mal halten und eine Pause machen. Vor gut zwei Stunden sind wir gestartet von der Mindelheimer Hütte und seitdem bergab gewandert. Wir sind mit Regenschirmen gestartet, haben zwei Flüsse durchquert und auf einer Matschpiste die gewonnenen Höhenmeter des Vortages wieder abgegeben.

Von nun an geht es wieder bergauf und wir waschen unsere Schuhsohlen im Bach, damit das Profil der Wanderschuhe uns besseren Halt auf den Steinen verschafft. Der Weg windet sich nun eng am Berg entlang, kurze Stücke auf dem Schrofenpass sind mit Stahlseilen und sogar mit Stahlbrücken gesichert.

        

Den Weg zum südlichsten Punkt Deutschlands lassen wir leider aus, der Regen der letzten Tage hat den Weg in einen Schlammpfad verwandelt und Gerhard beschließt, dass wir einen kürzeren Weg zur Rappenseehütte wählen. Mir soll es recht sein, das Marschieren im Schlamm heute Morgen hat mir eigentlich gereicht.

Gegen 13 Uhr erreichen wir den Abstieg zum Mutzentobel. Der Pfad wird nun enger und steiler und ist fast durchgehend mit Stahlseiten und manchmal sogar mit Trethilfen gesichert. Da wir ja mittlerweile geübte Flußüberquerer sind, stellt uns der Gebirgsbach der durch den Tobel fließt, vor keine allzu großen Herausforderungen.

Eine halbe Stunde später stehen wir vor dem nächsten Gebirgsbächlein, das nach dem Regen heute Nacht zu einem 3-4 Meter breiten Bach angeschwollen sind.

Die erste Hälfte der Truppe nimmt nasse Füße in Kauf und durchwatet den Bach. Wir wollen versuchen von einer etwas höheren Stelle auf eine kleine Sandbank zu springen und somit trockenen Füßen über den Bach zu kommen. Es klappt bis auf einen kleinen Ausrutscher kommen alle gut an der anderen Seite an. Der kleine Ausrutscher hat leider auch nasse Füße bekommen.

Eine unserer Wanderfreundinnen trennt sich hier von uns. Der Weg war zu anstrengend geworden und sie hat beschlossen, hier abzubrechen und ins Tal zurückzukehren. Gerhard begleitet sie und der Rest der Truppe macht sich an die letzte halbe Stunde für heute. Der Weg zieht sich gewaltig, in scheinbar nicht endenden Serpentinen dehnt er sich nach oben, aber ich fühle mich gut heute! Schließlich sehen wir kurz nach 14 Uhr die Rappensee-Hütte vor uns. Nun scheint auch die Sonne und der Regen und die Anstrengungen sind (quasi) vergessen.

Nach einer Stärkung mit einer Gulaschsuppe mache ich mich noch einmal auf, um zum Gipfelkreuz zu kommen, von wo aus man einen schönen Blick auf die Hütte und auf den Rappensee hat. Es ist nun so klar, dass man weit über Oberstdorf und Sonthofen hinaus sehen kann!

Ich will mich immer noch nicht still halten und laufe noch zum See hinunter. Ein Murmeltier verlässt seinen Bau. Ich bewege mich nicht und schaue ihm beim Futtersuchen zu. Scheinbar steht der Wind günstig, denn es bemerkt mich nicht und so kann ich einige schöne Fotos von dem scheuen Tier machen.

Die Sonne ist herrlich auf der Terrasse der Rappenseehütte und wir genießen die Entspannung zum Gruppenplausch! Erst als das Abendessen kurz nach 18 Uhr auf dem Tisch steht gehen wir in die Hütte hinein, Nudelsuppe, Putenrollbraten oder Käsespätzle sowie als Nachspeise Kokospudding mit Kirschsoße stehen heute zur Auswahl. Eines ist sicher, Abnehmen geht anders.

Steinbocktour 03.09. – 08.09.2017 (Tag 2)

Sonne und die ersten Steinböcke (Tag 2)

Habe ich überhaupt geschlafen heute Nacht? Ein paar Stunden werden es schon gewesen sein, aber sicher nicht so viel wie erhofft. Seit halb 6 geistern die ersten Matratzenlagergefährten mit Taschenlampen durch die Gegend, suchen Zahnbürsten, Hüttenschuhe, Handtücher. Einige verlassen das „Zimmer“, etwas poltert auf der Treppe, andere kommen ins Lager zurück. Auch ich fange an, unruhig zu werden. Ich will meine Beine wieder strecken, ziehe mir etwas Warmes aus meinem Rucksack über und begebe mich auf den Weg in den Waschraum. Das kalte Wasser vertreibt die letzten Gedanken an den warmen Schlafsack.

Heißer Kaffee, Schnittbrot, Wurst, Salami und Käse, Butter und Marmelade. So sieht das Frühstück für heute und auch für die nächsten Tage aus. Ein Bircher Müsli gibt es auch noch hier, aber ich begnüge mich mit den Broten und Kaffee.

Die Füße werden eingecremt mit Hirschtalg, Tipp einer Wanderfreundin. Das soll gegen Blasen helfen, und die Füße fühlen sich gut damit an. Geschadet hat es auf alle Fälle nicht. Auch der Rucksack muss wieder gepackt werden, zuvor die richtige Wahl der Wanderkleidung. Es ist eiskalt draußen, also die lange Wanderhose, Funktionsunterhemd, Funktionspoloshirt und ein Sweatshirt, dann die – natürlich – atmungsaktive Jacke drüber. Und natürlich die „halben“ Handschuhe.

Vor der Hütte erwartet uns strahlender Sonnenschein, die Tische und Bänke sind jedoch unter einer dicken Schneeschicht begraben. Wir suchen uns ein Plätzchen, um die Schuhspikes anzulegen und natürlich Erinnerungsfotos mit dem verschneiten Alpenpanorama zu schießen!

Die mühsam erlaufenen Höhenmeter von gestern müssen wir heute wieder hergeben. Wir laufen hinab zur Kühgundalpe auf 1.745 Metern verschnaufen kurz und entledigen uns der Spikes. Ein Dreh um 90 Grad nach rechts und wir sehen die Roßgundscharte auf gut 2.000 Metern vor uns. Durch den Regen und den Schnee haben sich immer wieder kleine Geröll-Lawinen gelöst, so dass wir vorsichtig beim Aufsteigen sein müssen.

Von oben auf der Scharte werden wir beobachtet. Ein Steinbock beäugt uns kritisch, es ist wohl sein Revier, in das wir hier vordringen. Der schweißtreibende Aufstieg lohnt sich, von der Roßgundscharte haben wir einen herrlichen Überblick auf die Strecke, die wir im weiteren Verlauf der Woche noch zurücklegen werden. Nun ist es an der Zeit, das durchgeschwitzte Sweatshirt in den Rucksack zu packen. Das Lieblingssweatshirt war eine Fehlplanung für diese Wanderung. Nichts mit Funktion, nicht atmungsaktiv und es nimmt auch viel zu viel Platz weg im Rucksack. Und wie ich später erfahren werde wird es auf so einer Tour nie mehr trocken, wenn es erst einmal richtig nass ist.

Der Ausblick von hier oben ist einfach fantastisch!

Mit dem verbleibenden aber nun auch nassgeschwitzten Funktionsunterhemd, Funktionsshirt und Funktionsjacke geht es weiter, dem Krumbacher Höhenweg entlang zur Mindelheimer Hütte (2.058 Meter). Immer beobachtet aus sicherer Entfernung von neugierigen Steinböcken.

Ein Stopp zum Rasten und Trinken und die Inspektion der Ausrüstung bringt ein Problem zum Vorschein. Bei einem Wanderer unsere Gruppe hat ein Ausrutscher die Sohle seines Wanderschuhs vom Schuh gerissen. So kommt er vielleicht noch zur Hütte, die anspruchsvolleren Etappen der nächsten Tage sind so aber nicht zu schaffen. Eifrig werden Telefonate geführt und Alternativpläne geschmiedet, wie der Schuh ersetzt werden kann, so wie zum Beispiel ein Abstieg ins Tal und der Wiederaufstieg einen Tag später. Die bevorzugte Lösung wäre natürlich einen Ersatz auf der Mindelheimer Hütte zu finden.

Schon von weitem erspähen wir heute die Hütte, die wir gegen 13:00 Uhr erreichen. Es ist nach wie vor sonnig und wir lassen uns auf der Terrasse nieder, stärken uns mit Suppen und Würsten, Schorle und Bier.

Auch eine Lösung des Schuhproblems scheint im Bereich des Möglichen. Auf der Hütte gibt es einige vergessene/zurückgelassene Schuhe und es scheint, dass ein Paar unserem Wanderfreund gut genug passt, um darin die nächsten Tage wandern zu können! Das wäre natürlich die beste Lösung, ob es so ist, wird sich am nächsten Tag dann herausstellen, wenn sich der Schuh bei Belastung beweisen muss.

Eine kleine Gruppe will sich noch nicht auf den erwanderten Lorbeeren ausruhen und macht sich an, mit Gerhard das Kemptner Köpfle zu besteigen. Ich bin natürlich dabei – wenn es etwas gibt, wo man raufsteigen kann, dann muss ich rauf. Ein schmaler Weg führt teilweise über den Grat hoch zum Kemptner Köpfle (2.192 Meter).

Ohne Rucksack geht der Aufstieg schnell, die letzten Meter erfordern noch eine kleine Klettereinlage aber wir werden belohnt mit einer Traumaussicht ins Kleinwalsertal! Den Rückweg zur Mindelheimer Hütte bestreiten wir wieder mit Spikes an den Schuhen, denn der noch teilweise verschneite Grat ist ziemlich rutschig und die Spikes geben uns perfekten Halt.

In der Hütte haben wir heute im Nebengebäude ein eigenes Zimmer für die Wandergruppe. Zwei (Einzel-)Stockbetten und ein 5-Mannstockbett stehen uns zur Verfügung. Ein Wanderfreund beschließt, sein Quartier im Vorzimmer auf der Bank aufzuschlagen, und so teilen wir uns die 5-Mannbetten zu viert auf und es ist sogar relativ bequem in unserem Lager.

Die nassen Schuhe und Kleidungsstücke werden in den Trockenraum gebracht, die Lager werden bezogen und wir machen uns fertig fürs Abendessen. Heute gibt es Kürbissuppe, Rahmgeschnetzeltes mit Spätzle und Zwetschgenrohrnudeln mit Vanillesoße.  Von letzteren könnte ich bestimmt ein halbes Dutzend essen, es gibt aber nur eine. Bevor wieder Hüttenruhe angesagt ist, macht Gerhard noch die Tageszusammenfassung mit uns. Wir gehen nochmal die heute begangene Strecke auf der Karte mit ihm durch und erhalten eine Vorschau auf das, war uns morgen bevorsteht.

Pünktlich um 22 Uhr liegen alle in den Betten, die frische Luft und der Aufstieg aufs Kemptner Köpfle machen müde. Licht aus!