Mittwoch, 14.08.2019: Über die Sierra Nevada – der Tioga Pass

Kaum zu glauben, dass unsere Zeit in den ersten drei Nationalparks – sozusagen unsere „1996 Revival Tour“ schon vorbei ist. Von nun an geht es weiter mit Neuland für uns, der Tioga Pass war ja im November 1996 gesperrt!

Aber erst gibt es Frühstück auf dem Balkon!

Das Eckzimmer im Manzanita Building ist im Vergleich mit den Mittelzimmern super. Natürlich ist es völlig überteuert für eine renovierungsbedürftige Holzhütte, aber wenigstens haben wir einen Balkon, was pro Haus mit ca 20 Zimmern nur 2 Zimmer haben. Die übrigen Zimmer, die nicht auf der Stirnseite liegen, haben nur diese umlaufende Veranda, die jedoch keinerlei Privatspäre bietet.

Wir verräumen wieder sämtliche Siebensachen in unseren Koffern und Taschen und verstauen wiederum diese in unserem Acadia. Noch schnell zur Lodge zum Checkout bzw. Schlüssel abgeben und dann noch schnell ein Coffee-to-go im Starbucks gegenüber der Lobby in der Coffee Corner. Schnell? Naja, schnell geht hier gar nichts, die Schlange ist beträchtlich, aber wir haben eine lange Fahrt vor uns, da ist so ein Kaffee das mindeste, was wir brauchen.

 

 

Nun aber los zum Tioga Pass.

Die Fahrt ist herrlich, blauer Himmel, Sonne, kaum Verkehr – bis wir zum Olmsted Point Lookout kommen, dort ist nämlich Baustelle. Wir wollen den letzten Blick auf den Half Dome noch geniessen und biegen mitten im Stau ab in den Parkplatz hinein.

 

 

 

 

Eine Rangerin hat ihr Fernrohr auf einem Stativ aufgebaut und lässt uns durchblicken. Und ja, man sieht zwei Wanderer auf dem Halfdome, die gerade am Stahlseil hochwandern!

Nun heisst es warten, denn wir können erst aus dem Parkplatz, wenn die nächste Gruppe an Fahrzeugen durch die Baustelle gelassen wird. An diese können wir uns hinten anschliessen bzw. einfädeln, falls es eine grössere Lücke gibt. Die Wartezeit überbrücken wir mit einer Baustellenschildbeauftragten (Stop / Slow), die auch froh darüber ist, mit Leuten klönen zu können. Und so erfahren wir von der täglichen stundenlangen Anreise zur Baustelle, vom schönsten Arbeitsplatz der Welt, von ihrem Hund, von dem Nachbarn, der ein Taugenichts ist … bis es an der Zeit ist, sich in die Autokarawane in Richtung Tioga Pass einzureihen.

Wir passieren den Tenaya Lake.

 

 

Der nächste Stau, jedoch vor allem in Gegenrichtung, ist kurz vor den Tuolumne Meadows. Hier hat es wohl einen Unfall gegeben, Rettungswagen und Polizei ist schon vor Ort. Es ist unglaublich was hier los ist, die Menge an Leuten steht dem Yosemite Valley in nichts nach. Wir halten an den Meadows an und ich steige aus, um wenigstens ein paar nicht verwackelte bzw. Fliegen an der Scheibe fokussierende Bilder zu schiessen. Hier müsste man wirklich wieder mindestens einen extra Tag haben und auch Zeit, für die eine oder andere Wanderung einplanen. Haben wir aber nicht, weiter geht es – wir müssen heute noch hoch bis Lake Tahoe.

 

Die Strasse ist eine Aneinanderreihung von Superlativen der Begeisterung, der Pass selbst, die Bergseen, die Schneefelder.

 

Schade, dass wir weiter müssen. Auch der Ellery Lake sieht wunderschön aus! Hier gibt es jede Menge Campingplätze und wir sind uns einig, irgendwann hier nochmals her zu wollen.

 

 

Es ist kurz vor 11 Uhr als wir in Lee Vining ankommen.

Dienstag, 13.08.2019: Das Alternativprogramm!

Während Moglus großem Hike bin ich natürlich auch unterwegs, nach erstmal gutem Ausschlafen (ahhh wie schön, ohne nervigen Frühaufsteher) Frühstück am Balkon – boah ist das eisigkalt! Da kommt auch schon die Message mit Foto von oben – boah ist der schnell!

Dann überlege ich mir, was ich denn machen will, denke, ich fange erstmal langsam an, die Lower and Upper Falls anzusehen und geh den Hike rüber zur anderen Strassenseite vom Hotel aus. Sehr einfach, da relativ flach und grad richtig für mich. Die Falls sind von einem Punkt aus sehr gut komplett zu sehen, sehr beeindruckend!

 

Der Weg macht einen kleinen Loop und geht bis zur Haltestelle des Shuttles, von wo aus ich den Shuttle nehme, der wieder übers Hotel durchs ganze Valley geht, bis zum Mirror Lake. Wir haben einen kleinen Spassvogel und Comedian als Busfahrer… naja, die Leute finden ihn lustig! Ich laufe den Mirror Lake Trail hinter bis zum Lake, die rechte Seite durch den Wald am Fluss entlang, schön schattig.

 

 

 

Am Lake angekommen sehe ich, dass Leute auf der andere Flussseite stehen und dorthin wohl über die Asphaltstrasse gekommen sind, die parallel zum Fluss links lief. Ich beschliesse, die Strasse zurück zu nehmen, da sie doch einfacher zu Gehen ist, als über Stock und Stein.
Jetzt brauch ich nur noch eine Stelle, wo ich über den Fluss komme. An einer Stelle ist er sehr flach, aber trotzdem zu hoch, um mit Schuhen drüber zu kommen, also Schuhe aus und waten.

Ich bin sehr froh, hinzu den Trail genommen zu haben, der ging immer mal wieder bergauf aber auch gerade, die Strasse geht zurück nur bergab, sprich ich wäre die ganze Zeit nur bergauf gelaufen zum See.

Zurück an der Shuttlehaltestelle hält ein Bus, der die Wartenden nur mitnimmt, weil er den anderen Busfahrern aushilft, die total überfüllt sind, und nur Haupthaltepunkte im Village anfährt.

Da ich ja dort auch umsteigen kann und hoch zum Ahwahnee Hotel will, fahre ich mit. Im Village warte ich dann doch noch ziemlich lange, aber das Warten lohnt sich. Wow, ist das ein Hotel! Coole Lage, coole Architektur!

Ich überleg mir, wo ich essen will, bis mein Blick auf die Speisekarte im Hauptrestaurant fällt und der Cobb Salad heraussticht. Ja, genau das will ich jetzt! Also, hoffen, dass Platz ist und oh Wunder, ich bekomme sofort einen Tisch.

 

Ein toller Saal das Restaurant, unglaublich hohe Fenster, eine Balkendecke wie in einer Burg – vielleicht schaffe ich es ja, mit Moglu heute Abend nochmal hierher… Einen Tisch reservieren halte ich für nicht machbar, ich weiss ja nicht, wann er von seiner Wanderung zurückkommt. Wir werden sehen!

Der Cobb Salad war super und sehr satt mache ich mich wieder auf den Weg, besichtige noch das Hotel und fahre dann mit dem Shuttle zum Hotel – Moglu müsste ja allmählich wieder dort eintrudeln.

Dienstag, 13.08.2019: Zurück ins Yosemite Valley – Panorama Trail

Über den Panorama Trail starte ich den Weg zurück ins Tal. Von hier aus habe ich herrliche Blicke auf den Half Dome und dann die Wasserfälle. Es scheint ein lockerer Hike zu werden, schön langsam abwärts, immer Blick auf die gegenüberliegenden Wasserfälle Vernal Fall und Nevada Fall, sowie den Half Dome.

Drei Wasserfälle werde ich auf dem Panorama Trail sehen, der Illilouette Fall ist der erste davon.

Ein Stück weiter geht der Trail in den Wald und ich erreiche den Illilouette Fall auch schon.

Hier steht man oben am Wasserfall und es gibt kein Geländer oder sonstigen Schutz, vorsichtshalber bleibe ich ein paar Meter hinter den Fall.

Bei der Flussüberquerung mache ich Pause und trinke vom frisch aufgefüllten Wasser. Es schmeckt furchtbar, also das trinke ich nur im Notfall! Deshalb mache ich ein frisches Wasser auf, esse wieder einen Clif Bar und mache ein paar Fotos vom Fluss und den kleinen Stromschnellen.

Es geht weiter, nun wieder bergauf.

Am Vortag habe ich noch versucht, auf meinem Handy mal kurz den Reisebericht von Lunchen nochmal zu lesen, das hat aber aufgrund des langsamen WiFi und der schlechten Handynetztes nicht geklappt. Sonst wäre ich zumindest moralisch auf das vorbereitet gewesen was jetzt kommt. Nämlich Serpentinen nach OBEN! Irgendwie dachte ich es geht den 4 Miles Trail rauf und dann Panorama Trail runter. Dem ist aber nicht so, nach der Überquerung des Rivers geht es wieder gewaltig nach oben. Und zwar ganz ordentlich, in der Grafik unten seht ihr den Anstieg ungefähr nach vier Stunden Wanderung.

Nach knapp einer weiteren Stunde Wanderung bergauf habe ich dann wieder freie Sicht auf den Half Dome von hinten und hinab ins Tal.

Noch eine Meile zu den Nevada Falls:

Ein anderer Solowanderer zu dem ich aufschliesse hat eine ähnliche Speed wie ich und wir kommen ins Gespräch. Er ist Holländer und auf Besuch bei einem amerikanischen Freund, der jedoch Höhenangst hat, darum ist er allein unterwegs. Wir laufen die letzte Meile bis zu den Falls gemeinsam und smalltalken etwas. Bei den Nevada Falls machen wir Pause.

Genau hier kippen die Wassermassen über die Kante und donnern ins Tal hinab!

Da ich lieber wieder allein weiterlaufe, halte ich mich nicht allzu lange auf und weiter geht es nach unten. Der Weg führt nun aussen um die Nevada Falls herum und an einer Felswand entlang. Von hier sieht man nun wirklich auf die Fälle.

Noch ein letzter Blick zurück.

Bei der nächsten Abzweigung bin ich etwas verwirrt, Summeroute, Winterroute – ohne mich gross vorbereitet zu haben will ich zu den Vernall Wasserfällen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber so ungefähr weiss ich noch aus einigen Reiseberichten von einem toll und steil aussehenden Hike bei einem Wasserfall und hoffe, dort diesen zu finden.

Bei den Vernal Falls kann man sich nun entscheiden, den Mist Trail oder den John Muir Trail. Ich hätte wirklich vorher nochmal lesen sollen, welcher Trail wie weitergeht, aber instinktiv denke ich mir, dass der Mist-Trail irgendwie abenteuerlicher sein wird, näher an den Fällen. Und ich erinnere mich, dass ich in Reiseberichten und im Internet dramatische Fotos gesehen habe von einem Hike im Yosemite, war das vom Mist Trail? (Ich glaube, die abenteuerlichen Fotos waren vom Yosemite Falls Trail … muss ich eben nochmal hin.)
Ich muss mich entscheiden, also geht es nun den Mist Trail weiter nach unten. Ja, es ist steil, vom Hiken her kein Problem, aber ich spüre den „harmlosen Weg“ nun nach gut 20 Kilometern gewaltig in meinen Knien. So quäle ich mich wieder einmal die Treppenstufen nach unten, nicht ohne trotzdem die herrliche Aussicht auf den Vernal Fall zu geniessen! Der Weg ist überwiegend relativ trocken, nur ein kleines Stück muss man beim gehen aufpassen.

Sogar mit Regenbogen!

Hier unten ist nun viel mehr los, ja, es sind wahre Menschenmassen unterwegs, die vom Valley die 2 km hoch zur Vernall Bridge laufen.

Um 14:20 erreiche ich endlich die Bushaltestelle Nummer 16, von wo mich der Shuttle Bus zurück zur Lodge (Haltestelle 8) bringen soll. Doch die Schlange der Wanderer, die dieselbe Idee haben, ist enorm.

Und so warte ich 50 Minuten auf den vierten Bus, der schliesslich genügend Platz hat, so dass ich mitkomme. Nach weiteren 40 Minuten Fahrzeit – der Shuttlebus nimmt natürlich nicht den kürzesten Weg, sondern fährt den Loop am „The Ahwahnee“ (früher Majestic Hotel) vorbei – bin ich um 16 Uhr zurück an der Lodge. Nun gibt es Mittagessen auf dem Balkon, Bagels, Schinken, Pickles, IPA!

Heute tun wir nichts mehr, nach dem späten Mittagessen haben wir auch keinen Hunger mehr, so bleiben wir auf dem Balkon bis es dunkel wird und gehen früh ins Bett.