Szegediner Gulasch, eine budapester Köchin und die ungarische Königin

Szegediner Gulasch kenn ich, seit ich denken kann und es ist eines meiner Lieblingsspeisen. Für mich gab es nie einer andere Version als die, mit frischem Weisskraut gemacht. Mit der Zeit hörte ich aber immer wieder davon, dass es mit Sauerkraut gemacht werden muss. Absolutes No-Go für mich! Und als dann auch Frau Nachbarin die Version mit Sauerkraut erwähnte, dachte ich bei mir, hm, gibt es eigentlich Sauerkraut in Ungarn??? Für mich immer ein Rätsel, woher nun diese Sauerkrautversion kommt. Im Januar nun hat Steph vom kleinen Kuriositätenladen auch eine Sauerkrautversion eingestellt. Ich dachte, naja, die Nordlichter, wissen es halt nicht besser ;o) – aber nein! Das Rezept stammt aus dem Sacher Kochbuch (Hotel Sacher, Wien!?!) MIt Sauerkraut!!! EMPÖRUNG meinerseits! Österreichisches Rezept und dann mit Sauerkraut!?!

So, jetzt musste ich natürlich der Sache auf den Grund gehen. Woher kommt das Sauerkraut in einem ungarischen Gulasch und warum kochen wir in unserer Familie das mit Weisskraut?

Nun hab ich also folgendes rausgefunden. Es gibt viele Versionen! In einer verlangt der ungarische Dichter Szekely spät abends in einem Pester Restaurant was zum Essen und bekommt nichts mehr, dann muss er wütend gesagt haben, es kann doch nicht so schwer sein, ihm noch Gulasch und eine Portion Sauerkraut aufzuwärmen.Das wird ihm serviert, mit einem Klacks Sauerrahm. Das Szegediner Gulasch ist geboren und nach seinem Erfinder benannt.
Bei Wikipedia ist es ähnlich, aber mit dem Hinweiss, das Gericht kann nicht ungarisch sein, da es Schweinefleisch verwendet und das nicht typisch für Ungarn wäre.

Doch nun zu unserer Familienversion!
Meine Oma war Köchin in Budapest. Sie hat dieses Gericht mit in unsere Familie gebracht und erzählte immer diese Geschichte:
Die ungarische Königin Elisabeth, besser bekannt unter dem Namen Kaiserin Sisi von Österreich, hatte ein Schloss in Ungarn in der Nähe von Budapest, das sie oft besuchte. Wieder einmal mit ihrem ganzen Gefolge dort angekommen, sah sich ihre Köchin vor die Tatsache gestellt, dass Küche und Keller nicht aufgefüllt waren und bis auf ein paar Köpfe Weisskraut alles leer war. Fleisch liess sich wohl in der Umgebung auftreiben und so erfand Kaiserin Sisi´s Köchin das Szegediner Gulasch.

Also, ganz ehrlich? Mir schmeckt die Version der Kaiserin wirklich besser und die Geschichte ist doch auch viel netter, als die vom wütenden Dichter im Restaurant, oder? ;o)

Szegediner Gulasch – mit Weisskraut!

1 – 1 1/2 Köpfe Weisskraut
1 kg Schweineschulter (gut durchwachsen und mit Haut) in grosse Würfel geschnitten
1 Zwiebel klein gewürfelt
etwas Mehl
Wasser
Salz, Pfeffer
süsser Paprika (Rosenpaprika)
Kümmel
Sahne
Essig

Das Fleisch wird mit Zwiebelwürfel im Fett angebräunt, eine 3/4 Stunde gedünstet (ev. etwas Wasser zugiessen). Dann mit Mehl gestaubt, gesalzen und gepfeffert. Dann kommt der Paprika dazu (nach Geschmack, ich habe so ca. 2-3 Teelöffel reingegeben).Danach wird mit 1 Tasse Wasser aufgegossen.

Das kleingeschnittene Kraut (meine Mama war mit der Dicke der Krautstreifen nicht zufrieden, ich hätte es dünner hobeln müssen. Da ich aber gerne etwas mehr Biss im Kraut habe, darf es bei mir dicker sein.) wird nach und nach dazugegeben. Umrühren, bis das Kraut alles in den Topf passt und gut runtergekocht ist.
Kümmel nach Geschmack dazu (bei uns eher mehr als weniger!) und zugedeckt wieder ca. eine 3/4 Stunde köcheln lassen. Des öfteren nachschauen, ob noch genug Flüssigkeit am Boden ist, damit nichts anbrennt, eventuell etwas Wasser zugeben, umrühren.
Zum Schluss mit etwas Essig und Sahne, nach Geschmack (darf schon ein Becher voll sein), abschmecken.

Bei uns gibts das Szegediner Gulasch mit einer Scheibe frischem knusprigen Brot:

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2 Gedanken zu „Szegediner Gulasch, eine budapester Köchin und die ungarische Königin

  1. hmm…. ja… nun sitze ich hier weit weg von dir und weiß nun gar nicht, wie die Version mit Weißkraut schmeckt. Dabei wäre es doch soooo einfach gewesen, mal beide Varianten zu kochen… nun ja.. zu spät. Da muss ich wohl selber ran und dein Rezept ausprobieren. Gerade kommen wir aber vom Griechen und haben uns den Bauch vollgeschlagen und so kann ich weder an Szegediner Gulasch mit Kraut oder Sauerkraut denken… später mal wieder! Glückwunsch an die Köchinnen und zumindest auf dem Foto sieht es lecker aus!

    • und schmeckt auch so! :-) Ooohhh griechisch, da würd ich ja beinah das Gulasch stehen lassen dafür!!!

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