Steinbocktour 03.09. – 08.09.2017 (Tag 5+6)

Bockkarscharte und Schwarze Milz (Tag 5)

„Mann ist das kalt hier! Geh noch ein Stück weiter, da vorne zieht es hoffentlich weniger!“ Wir stehen unterhalb der Bockkarscharte, auf fast 2.500 Metern. In langen Serpentinen führt der Weg vom Waltenberger Haus hier nach oben, immer quer über weite Geröllfelder. Unterhalb der Scharte kommt unsere Truppe jedoch ins Stocken, die Serpentinen werden zu einem mit Stahlseilen und Tritthilfen gesichertem (leichten) Kletterweg.

Meine Wanderkleidung, die ich am Morgen noch ziemlich nass vom Vortag wieder angezogen hatte, ist immer noch klamm und ich ziehe die Fleeceweste außen über meine Jacke. Nun ist auch endlich der Zeitpunkt für meine neuen Handschuhe gekommen! Meine feuchten Halbfingerhandschuhe wandern in den Rucksack und ich streife mir die trockenen, warmen Ganzfingerhandschuhe über. Dann sind wir oben an der Scharte und es geht plötzlich doch schnell, dass wir auf der anderen Seite an einer windgeschützten Stelle Halt machen. Von hier hätte man eigentlich einen herrlichen Ausblick ins Lechtalgebirge, wir aber sehen überwiegend nichts. Zu dicht sind die Wolken und der Nebel.

Weiter geht es ein Stück auf dem Heilbronner Weg bis wir die schwarze Milz, den letzten Rest der Alpengletscher erreichen. Auch hier ist die Sicht trübe als wir den Ferner überqueren.

Die karge Gebirgslandschaft beginnt nun, sich schlagartig zu ändern, die Felslandschaft wird von Wiesen abgelöst und wir sehen wieder einige Steinböcke, die uns vom Grat aus beobachten.

Auf einer tiefer liegenden Wiese sind einige Geißen und Jungtiere beim Grasen. Der Weg geht nun flacher und einfacher dahin. Stetig bergab geht es in Richtung Kemptner Hütte, die wir gegen 13 Uhr erreichen.

Wieder haben wir Glück mit den Zimmern in der Kemptner Hütte. Diesmal teilen wir uns ein 4-Bett Zimmer mit zwei Stockbetten. Die Kemptner Hütte wird unsere letzte Übernachtung in den Bergen sein, gut dass es nicht nochmal ein Matratzenlager ist.

Ofenschlupfer mit Rosinen und Vanillesoße gibt es zum Kaffee. Die Mehlspeise, aus alten Brötchen mit Äpfeln, Milch, Zucker und Zimt kennen wir bei uns als Scheiterhaufen, sie schmeckt aber auch als Ofenschlupfer hervorragend. Gerhard frägt uns wer noch mitlaufen will zum Muttlerkopf, der mit 2.368 Metern Höhe direkt vor der Kemptner Hütte gut 500 Meter in den Himmel ragt. Die Beine sind schwer, ich mag das Bergablaufen nicht, und heute sind wir seit dem Aufstieg zur Bockkarscharte nur noch bergabgelaufen.  Also täte meinen Beinen den Berg hochzulaufen wohl ganz gut. Außerdem habe ich keine Lust, den ganzen Nachmittag auf der Hütte zu sitzen und außerdem ist heute der vorletzte Tag und – „ich gehe mit!“.

Knapp 90 Minuten brauchen wir für den Aufstieg, es ist ein Hammergefühl, wenn man auf dem Muttlerkopf steht und das umliegende Panorama sieht. Dieser Aufstieg war für mich mit Sicherheit einer der Höhepunkte der gesamten Wanderung!

Der Rinderbraten der Kemptner Hütte ist unter Wanderern berühmt und den haben wir uns heute wirklich redlich verdient, ebenso wie das Bier dazu. Und den Enzian. Bayerisch Creme gibt es als Nachspeise. Ich bin müde, die Beine sind schwer, aber es ist ein gutes Gefühl, ein sehr gutes!

 

Time to say good-bye (Tag 6)

Mann sind meine Beine schwer heute Morgen. Mein Standardrezept gegen schwere Beine ist es, einen Berg zu besteigen, aber es gibt keinen mehr auf unserer Tour. Im Gegenteil: Heute stehen nochmal 850 Meter Abstieg bevor, den meine Knie so gar nicht lieben.

Um halb sieben ist die Truppe komplett am Frühstücktisch versammelt und bereits um viertel vor acht stehen wir mit Rucksack auf den Schultern und fest geschnürten Wanderstiefeln vor der Hütte. Es scheint, wir können es nicht erwarten wieder ins Tal zu kommen, aber tatsächlich waren wir wohl nur eine sehr überpünktliche Truppe, die meist schon lange vor der vereinbarten Uhrzeit abmarschbereit war.

Ein letztes Mal werden unsere Schuhe im Sperrbachtobel bei der Durchquerung eines Bachlaufes nass, am sechsten Tag unserer Tour stört das jedoch niemanden mehr.

Gerhard nutzt eine Trinkpause beim Marterl „am Knie“ – einer kleinen Kapelle – und versucht die OASE „Basis“ auf dem Handy zu erreichen, um den Rücktransport zu organisieren.

Es geht dem Sperrbach entlang durch den Wald und wir überqueren ein letztes Mal den Fluss. Wir kommen zur Materialseilbahn. Hier kann man seine Rucksäcke hoch zur Kemptner Hütte bringen lassen, wenn man in Gegenrichtung unterwegs ist. Ab jetzt geht es flach weiter, auf einer asphaltierten Straße bis Spielmannsau.

In der Alpe Oberau genießen wir ein letztes Mal Käse und Schinkenbrote. Hier studieren wir den Busfahrplan von Spielmannsau nach Oberstdorf und stellen fest, dass wir knappe 45 Minuten für unsere Pause haben. Die Wanderung nähert sich nun immer offensichtlicher ihrem Ende.

Der Linienbus bringt uns wieder zurück zum Bahnhof von Oberstdorf, wo wir im OASE Büro als erstes unsere Rucksäcke ablegen.

Die ausgeliehenen Schuhspikes und Wanderschirme müssen wieder abgegeben werden und wir verabschieden uns, sicher ein wenig wehmütig, dass diese 6 Tage viel zu schnell vorbeigingen aber auch stolz auf unsere Wanderleistung.

 

THE END

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