Steinbocktour 03.09. – 08.09.2017 (Tag 4)

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung … (Tag 4)

„Wir haben Linsensuppe mit Würsten, Käsebrot mit selbstgemachtem Käse und was sonst noch auf der Karte steht“ erklärt uns die Sennerin auf der Buchrain Alpe. Die Alpe ist für uns die Rettung aus dem Regen, eine kleine, urige aber auch trockene Rastmöglichkeit. Im Wirtsraum stehen nur zwei Tische, aber  das reicht locker für unsere Gruppe. Der Käse ist hier selbst gemacht, in der Wohnküche stehen Milchfass, Kupferkessel und moderne Spülmaschine sowie Thermomix.

Wir kommen von der Rappenseehütte (2.091 Meter) und sind nun bei strömendem Regen gut 1.000 Höhenmeter in das Rappenalptal abgestiegen. Bereits auf den ersten Metern des Abstieges spürte ich ein Reiben an meinem Zeh, ein unangenehmes Reiben. Bei der nächsten Möglichkeit, der Enzianhütte, wollte ich den Zeh mit Pflaster umwickeln um eine Blase zu vermeiden, es war aber schon viel zu spät. Die Blase gab es schon gar nicht mehr, der Zeh war offen. Hilft aber nichts, wir haben noch mindestens 5-6 Stunden Wanderung vor uns. Also den Zeh mit Blasenpflaster zugeklebt, dick und fest mit Leukoplast umwickelt und an was anderes denken! (Den Zeh habe ich übrigens erst wieder 3 Tage später nach Ende der Tour ausgewickelt und er sah gut aus, das Blasenpflaster hat ganze Arbeit geleistet).

Auf der Buchrainalpe ist es kuschelig warm und das Objektiv meiner Kamera beschlägt.  Die Jacken hängen auf Bügeln an einer Stange im Eingangsbereich der Hütte. Alle versuchen wir, soweit möglich, die nasse Kleidung zu trocknen. Letzteres ist ein vergeblicher Versuch, wir sind alle bis auf die Haut tropfnass. Ich stärke mich mit der Linsensuppe und Wursteinlage für den bevorstehenden Aufstieg.

Wir schauen aus dem kleinen Fenster der Stube und suchen nach der erwarteten Wetterbesserung. Nach der Rast und Einkehr stehen uns wieder rund 1.000 Höhenmeter Aufstieg bevor zum Waltenberger Haus. Es hilft nichts, es sieht nicht danach aus, als könnten wir den Regen aussitzen. Kurz darauf bei Einödsbach treffen wir zwei Amerikanerinnen wieder. Sie sind mittlerweile schon so etwas wie alte Bekannte, die man aber trotzdem eigentlich nur vom Sehen und ein paar gewechselten Worten auf dem Gang oder in der Dusche her kennt. Abends auf den Hütten trifft man immer wieder dieselben Leute, scheinbar sind viele auf unserer oder einer sehr ähnlichen Tour unterwegs und nach 3-4 Tagen kommen einem viele Gesichter bekannt vor.

Wieder stoppt ein Bach, der zum reißenden Hindernis angeschwollen ist unseren Marsch. Wieder werden die Füße nass.

Auch der Wanderweg selbst ist mittlerweile ein kleiner Bach geworden, es kümmert mich nicht mehr, ob ich ins Wasser steige oder auf Steinen dem Gerinnsel ausweichen kann. Das Wandern wird zum Mantra, der gleichbleibende Rhythmus, Schritt für Schritt weiter. Hindernisse wie Bäche, die wir überqueren müssen stören den Rhythmus. Kurz halten wir an um zu trinken, aber beim Stehen wird es kalt, und die Kälte stört mehr als die tropfnasse Kleidung, also marschiere ich und ein Wanderkollege weiter. Monoton, Schritt für Schritt, bald schon ist der Rest der Gruppe außer Sichtweite. Am Ende des Bacherlochs ist eine steile und schroffe Steilstufe zu durchqueren.  Alubrücken und Stahlseile sichern dort den Weg. Nach etwa drei Stunden Aufstieg sehe ich im Nebel unterhalb der Mädelegabel das Waltenberger Haus! Aber noch davor ein letzter Gebirgsbach zu durchqueren. Gemeinsam suchen wir den besten Weg und bald haben wir zu zweit auch das Hindernis geschafft. Während wir uns noch freuen, diesen nun wirklich breiten Bach halbwegs trocken hinter uns gelassen zu haben, sprintet ein „Gebirgsjogger“ mit zwei, drei Sprüngen über den Bach und joggt gutgelaunt, aber ohne Rucksack, an uns vorbei. Sachen gibt’s?!

Das Waltenberger Haus ist neu und erst seit Juni 2017 (wieder) eröffnet. Es ersetzt das bereits 1875 an derselben Stelle erbaute ursprüngliche Waltenberger Haus.  Es sieht toll aus, modern und an einigen Stellen sind die Zimmerleute noch immer am Werk.

Die Zimmer sind klasse, die besten bislang und wir bleiben in einem nagelneuen 6-Mann Zimmer mit 3 Stockbetten. Unsere nasse Kleidung lassen wir im Trockenraum, der jedoch den Namen leider nicht verdient hat. Es ist kalt und klamm im Trockenraum und unsere Kleidung wird am nächsten Morgen so tropfnass sein, wie wir sie am Abend zuvor dort aufgehängt hatten.

Es steht uns eine ganze Liste an Gerichten für das Abendessen zur Auswahl. Unter anderem Dal, das nepalesische Hausgericht, das der nepalesische Koch der Hütte zubereitet. Ich habe Hunger und Bedarf an Kohlehydraten und entscheide mich für Spaghetti Bolognese, bedaure aber später, nicht das vorzügliche Dal gewählt zu haben, von dem ich bei anderen probiere. Die Spaghetti waren lecker, aber das Dal superlecker!

Heute sitzen wir lange zusammen, quatschen und probieren Enzian und auch Sigi, den Hüttenobstler. Die Stimmung ist gut aber die müden Beine wollen ihre Ruhe! Licht aus!

Moglu on the ROAD: Chapadas + Praias (5. Teil)

Mittwoch, 17.12.2014

Da ist mir ja gestern ein grober Fehler unterlaufen als ich schrieb, unsere Freunde kamen am Abend an. Das war erst am Donnerstagabend, also zwei Nächte später oder sozusagen morgen.

Also machen wir uns heute noch einmal alleine auf, der Weg führt wie fast immer am Jardim de Maytrea vorbei, heute mit weniger Nebel, aber noch immer bewölkt.

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Nur wenige Kilometer danach zweigt der Weg von der Hauptstrasse links ab und eine Erdstrasse führt uns ins Tal des Mondes, dem Vale da Lua.
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Ein Tal des Mondes gibt es auch fast überall auf der Welt, wo man bizarre Steine sehen kann, dieses hier ist eines der sehr sehenswerten :) .

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Wir folgen der Erdstrasse. Das es in den letzten Tagen viel geregnet hat, können wir das Tal des Mondes nur mit einem Führer besuchen und wir dürfen auch nicht baden, das hatten wir aber sowieso nicht geplant. Leider gingen mir auf dem Weg ins Tal auch meine Treckingsandalen zu Bruch, das heisst, die Sohle löste sich von Schuh. Den Rest des Urlaubs war also Trecking mit Badelatschen angesagt, ich werde noch ein richtiger Brasilianer :) .

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Bizarr und schön war es dort. Für den Fall, das es anfängt zu regnen, sollten wir das Tal asap verlassen, da der Bach zum reissenden Fluss anschwillt. Das konnten wir uns gut vorstellen, da war ganz schön Schmackes dahinter.

Es hat nur etwas getröpfelt, also kein Problem. Das Vale da Lua und alle anderen Sachen die wir uns noch ansahen lagen übrigens in der Chapada dos Veadeiros, jedoch ausserhalb des Nationalparks auf privatem Gelände. Es wurde also jeweils ein kleiner Eintritt verlangt, aber das war ok. Die Hikes im Nationalpark waren alle ab 15 km aufwärts und dazu hatten wir weder Lust noch Ausdauer.

Der nächste Stopp lag also wieder auf Privatgelände, nämlich in der Fazenda Sao Bento. Dort befinden sich insgesamt drei Wasserfälle: Almecegas I und Almecegas II sowie der Wasserfall Sao Bento. Zum Almecegas I führt eine etwa drei Kilometer lange Erdstrasse, dann heisst es, das Auto abstellen und es geht noch einen Kilometer teilweise steil bergauf.

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Hier war der Weg zu Ende für den Troller:

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Nach etwa einem Kilometer Aufstieg hat man diesen Blick.

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Und um diesen Blick zu haben, muss man wie ich auf den anderen Seite den Wasserfall wieder bergab wandern, den Badelatschen sei Dank war das kein Problem.

Wieder nach oben und in einem Bogen um das Tal und man kommt auf die Seite, wo der Wasserfall in die Schlucht fällt. Auch hier war das Wasser reissend, also war baden nicht angesagt, wenn man nicht riskieren will mit dem Wasserfall ins Tal gespült zu werden. Dafür flog uns ein Tukan über die Köpfe und die Gattin hat ihn im Flug erwischt:

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Das mit dem Tukan war schon ziemlich genial. Ziemlich happy marschieren wir wieder zurück zum Parkplatz. Zum Almecegas II ist es nur ein kurzes Stück mit dem Troller und dann ein ebenfalls ein kurzer Fussmarsch.

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Weniger dramatisch aber auch schön. Hier fängt es nun wirklich an zu regnen und wir machen uns auf die Socken, zurück in unsere Pousada an den Pool, da kanns dann auch regnen was es will.

Der Eigentümer gibt uns einen Tipp: Um 18 Uhr in einem Eukalyptuswäldchen sammeln sich häufig die Tukane, bevor sie zu ihrem Schlafplatz abziehen. Klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen und unser Glück versuchen.

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Ein perfektes Ende für einen quasi perfekten Tag, mal abgesehen von meinen Treckingsandalen.

 

Moglu on the ROAD: Chapadas + Praias (4. Teil)

Dienstag, 16.12.2014

Heute heisst es schon wieder Abschied nehmen von Brasilia. Noch ein Frühstück mit Papaya und Ananas, den verbrannten Kaffee werden wir hier nicht vermissen.

Als letzte Sehenswürdigkeit in Brasilia haben wir uns die Kirche Santuário Dom Bosco vorgenommen. Und es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir das ausgelassen hätten. Von aussen ein schlichter, unauffälliger Betonbau, aber wenn man die Kirche betritt, erfasst einen das blau leuchtende Innere, erhellt von den tausendenden in verschiedenen Blautönen gehalten Glasbausteinen. Kommt einfach mit:

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Link das Eingangstor, rechts der erste Blick ins Kircheninnere.

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Blick auf den Altar

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So sieht die Kirche im Gesamtblick aus, ein schwerer etwas 3 Meter hoher Kronleuchter aus Murano-Glas komplettiert das Ganze.

Aber für uns geht es weiter, bye bye Brasilia. Wir verlassen die Stadt in Richtung Chapada dos Veadeiros, die Strassen werden schmäler, schlechter und man merkt, die lokale Dorfjugend macht hier schon Schiessübungen auf das Wild, auch wenn es nur auf Strassenschildern ist.
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Gegen 11:30 kommen wir durch Sao Gabriel, einem typischen Strassendorf in dieser Gegend. Wir wollen eigentlich nur kurz auf einen Kaffee halten, sehen dann aber auf der anderen Strassenseite ein Lokal, in dem der Grill schon richtig qualmt und das halbe Dorf mit einem Geruch von frisch gegrilltem Fleisch einhüllt. Flugs die Strassenseite gewechselt, wir lieben solche Zufallsfunde. Das Essen dauert noch etwas und mehr und mehr füllt sich das Lokal, Leute vom Dorf kommen, Trucker halten an, naja, soviel Auswahl gibt es natürlich auch nicht in der Gegend. Aber es gibt genial leckere brasilianische Hausmannskost (comida caseira) und es schmeckt hervorragend:

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Ein Räuchergrill

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Natürlich dürfen in Brasilien Reis und Bohnen nicht fehlen!

Es geht weiter, In Sao Joao D’Alianca sehen wir das erste Hinweisschild „Das Tor zur Chapada dos Veadeiros“.

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Das Tor zur Chapada dos Veadeiros

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Hier gibt es sogar Subway and der Tankstelle

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Und auch die Dorfkirche ist schon für Weihnachten dekoriert.

Es bleibt regnerisch aber die Landschaft ist beindruckend. Gegen 14 Uhr erreichen wir Alto Paraíso de Goiás, das Städtchen, das quasi im Zentrum der Chapada dos Veadeiros liegt. Auf der Suche nach unserem Hotel fahren wir an unzählichen UFOs, Ausserirdischen, und sonstigen verrückt dekorierten Hotels vorbei. Warum müssen in Brasilien immer alle schönen Orte so esoterisch verhunzt werden? Schliesslich erreichen wir unser UFO-loses Hotel „Recanto da Grande Paz“, das Eck des grossen Friedens, naja auch nicht viel besser – esoterisch halt :). Aber schön ist es trotzdem.

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Tiefhängende Wolken

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Wir erreichen Alto Paraiso de Goias

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Eingang unserer Pousada

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Unser kleines Chalet, klein aber nett

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Auch die Poolanlage ist nett gemacht.

Da es noch früh ist, und wir sonst eh nichts zu tun haben, fahren wir nochmal rein, in die Chapada bis zum Eingang des Nationalparks.

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Am Ausichtspunkt „Jardim de Maytrea“. Hier werden wir noch ein paar Mal vorbeikommen in den nächsten Tagen, auch ohne Nebel.

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Am Eingang zum Park

 

Am Abend bleiben wir in der Pousada beim Essen. Recht spät kommen unsere Freunde an, die erst ein paar Tage nach uns losgefahren sind. Ab nun geht es zu viert weiter!